Modellversuch für Übertragung ärztlicher Aufgaben an Pflegekräfte gestartet

Künftig können Pflegefachpersonen bisher Ärzten vorbehaltene Tätigkeiten in der Versorgung von Patienten mit Diabetes mellitus Typ I und II, Hypertonus, chronischen Wunden oder einer Demenzerkrankung übernehmen. Das hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) in einer Richtlinie zu Modellversuchen beschlossen.

Dabei hat sich der Vorschlag des GKV-Spitzenverbandes, der zusammen mit dem Deutschen Pflegerat (DPR) entwickelt worden war, durchgesetzt. „Die Entscheidung des G-BA ist ein großer Fortschritt für die Sicherung und Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung in Deutschland“, sagt DPR-Präsident Andreas Westerfellhaus. „Wir haben jahrelang darum gekämpft, dass qualifizierte Pflegefachpersonen mit ihrer Kompetenz die Versorgung kranker Menschen verbessern können“, so Westerfellhaus weiter. „Unsere ärztlichen Kollegen fordern wir auf, gemeinsam in den Modellen zu arbeiten und dann auf der Grundlage der Ergebnisse die Regelversorgung weiterzuentwickeln.“
Die Modelle erfordern u.a. eine spezielle Ausbildung und eine Evaluation. Die gesetzliche Grundlage habe das Modellverfahren sehr komplex gestaltet. Deshalb werde es mehrere Jahre dauern, bis Ergebnisse vorlägen. International sei die Übernahme ärztlicher Aufgaben durch so genannte Nurse Practitioner längst bewährte Realität, heißt es beim DPR.
Bevor die Richtlinie gemäß § 63 (3c) SGB V in Kraft tritt, hat das Bundesgesundheitsministerium (BMG) zwei Monate Zeit zur Prüfung. Westerfellhaus: „Wir erwarten vom BMG, dass es der Richtlinie keine Hindernisse in den Weg legt.“ Von einem „wichtigen Meilenstein in einer schwierigen Diskussion“ spricht Franz Wagner, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe (DBfK), „die zum Teil gegen erbitterte Widerstände geführt wurde.“ Die Entscheidung des G-BA sei symbolisch ebenso wichtig wie in ihrer Bedeutung für die Modellversuche.
 
Quelle: Heilberufe-online