Bayerischer Heilbäder-Verband wirft Politik und Kassen vor, zu Lasten der Patienten die Prävention im Gesundheitswesen zu vernachlässigen

Beim 64. Bayerischen Heilbädertag in Bad Griesbach machten die Bayerischen Kurorte und Heilbäder mit ihrem 1. Vorsitzenden Klaus Holetschek deutlich, dass sie weiter sinkende Zahlen sinnvoller und effektiver Präventionsmaßnahmen wie der ambulanten Kur, nicht widerstandslos hinnehmen werden. So bürden die Krankenkassen durch pauschale Ablehnung von Kuranträgen den Bürgern die Kosten von Gesundheitsvorsorgemaßnahmen auf, die Politik lässt sie trotz Verankerung der Prävention im Koalitionsvertrag gewähren.

Der Bayerische Heilbädertag fand am 18. und 19. Oktober in Bad Griesbach statt. Nach der öffentlichen Sitzung am ersten Tag mit einer Festrede von Annette Widmann-Mauz, MdB, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Gesundheit, in der sie dem Bayerischen Heilbäderverband ihre Unterstützung zusagte, jedoch vor zu hohen Erwartungen an die Politik warnte, wurde am zweiten Tag bei der internen Sitzung deutliche Kritik von Seiten des BHV an der Politik laut. Der BHV erwarte „nicht nur leere Worthülsen“ zur Unterstützung der Kurorte und Heilbäder, sondern „konkrete Taten“, so der 1. Vorsitzende Klaus Holetschek. Ständig werde die Wichtigkeit von Rehabilitations- und vor allem auch von Präventionsmaßnahmen vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung für ein gesundes Altern betont, allerdings blieben konkrete wirksame Initiativen und Impulse aus.

Ausdrücklich lobte Holetschek dabei jedoch die Unterstützung des Bayerischen Wirtschafts- sowie Gesundheitsministeriums und machte anschließend deutlich, dass auch die Krankenkassen selbst maßgeblich Verantwortung für die prekäre Situation der sinkenden Anzahl von Präventionsmaßnahmen tragen, weil Leistungen reduziert werden oder „gleich ganz hinten runter fallen“. Die Schere gehe immer weiter auseinander, „zwischen einerseits den enorm hohen und kostensteigernden Qualitätsanforderungen an eine Kur durch die Kassen und andererseits der Tatsache, dass immer weniger Leistungen der Kassen bei den Patienten sowie Kurorten und Heilbädern ankommen“, so Holetschek. Beispielsweise ist die Zahl der von den Kassen unterstützten ambulanten Kuren von ihrem Höchstwert mit 800.000 auf 90.000 Kuren im Jahr 2009 gefallen. Besonders ärgerlich sei auch die Tatsache, dass die Krankenkassen offensichtlich Ihrer Statistikpflicht zur Angabe von Kurablehnungen nicht nachkommen und sogar fehlerhafte Angaben beim Bundesgesundheitsministerium einreichen. „Wir können uns da nicht mit dem Nasenring über die Wiese ziehen lassen“, machte Holetschek seinem Unmut Luft und forderte im Zuge dessen eine bundesweite Verbraucherschutzstelle.

Der BHV müsse kampagnenfähig werden, aktive Überzeugungsarbeit leisten und die ausgezeichnete Qualität sowie medizinische Expertise aktiv nach außen tragen. „Wenn von der Gesundheitsregion Bayern die Rede ist, dann sind das wir“, stellte Holetschek klar und verwies dabei auch auf die ausstehende Umsetzung einer versprochenen Kurkampagne durch das Bundesgesundheitsministerium. Schließlich gehe es beim Thema Kur nicht nur um die wichtige Gesundheitsförderung der alternden Gesellschaft, sondern es handle sich vielmehr um einen Megatrend mit großer wirtschaftlicher und umweltpolitischer Gesamtreichweite. So werden durch das Kurwesen allein in Bayern 100.000 Arbeitsplätze ermöglicht, die Infrastruktur im Flächenland Bayern gefördert, die Kulturlandschaft bereichert, sowie die Natur nachhaltig geschützt.

Mit Präsentationen und Diskussionen zu innovativen Maßnahmen wie Handy-Apps und neuen Ideen wie e-Bikes sowie Vorstellungen der neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse im Bereich Kurwesen und Medizin ging der 64. Bayerische Heilbädertag am 19. Oktober erfolgreich zu Ende.

Peter Hackmann